Nachdenkenswertes
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Frauen sind wirklich furchtbar…

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Eine Freundin von mir, hatte heute ein wichtiges Vorstellungsgespräch. Eigentlich ist sie schon richtig weit gekommen. In die 3. Runde. Und eigentlich ist ihr der Job auch schon sicher. Eigentlich wollten wir auch schon anstoßen, weil sie das so unglaublich toll gemacht hat und die Chefs begeistert waren von ihr. Heute jedoch musste sie noch einmal zu einem Personalgespräch. Theoretisch haben die beiden Damen, die das Gespräch geführt haben, keine schlussendliche Entscheidungsgewalt. Praktisch jedoch, möchte man trotzdem einen guten Eindruck machen und überzeugen. Und natürlich, wenn man so richtig schlecht ist, könnten die Personalchefs schon nochmal ein Veto einlegen.

Meine Freundin sollte eine Präsentation über sich selbst machen. Da es ihr unangenehm war, eine Powerpoint von sich als Person zu machen, reiste sie ohne an. Die beiden Frauen waren nicht sehr amused und versuchten, ihr Fallen zu stellen, nahmen jedes Wort auseinander und unterstellten ihr, dass sie sich für die vorherigen Gespräche mehr Mühe gegeben hätte, weil sie die Männer wohl beeindrucken wollte. Dazu muss man sagen, dass meine Freundin sehr schön ist. Wirklich wunderschön. Die beiden Frauen ließen kein gutes Haar an ihr, warteten nur darauf, dass sie etwas falsch macht, damit sie ihr ein Bein stellen können.

Warum, frage ich mich, unterstützen sich Frauen nicht gegenseitig? Immer wieder fällt mir auf, dass Frauen nicht gut zueinander sind. Sollten wir nicht zusammen halten? Sollten wir nicht für- und miteinander kämpfen? Warum verletzen wir uns gegenseitig so? Mütter ürteilen über Mütter, Frauen über Frauen. Schon im Kindergartenalter vergleichen sich Mädchen untereinander und sind neidisch, wenn eine schönere Haare hat oder ihre Hausschuhe mehr Glitzer haben.

Letztens hatten wir ein Treffen mit einigen Eltern. Vorher überlegte ich was ich wohl anziehen könnte. Ich wollte gut und modern aussehen, gleichzeitig lässig und unangestrengt. Ich zwängte mich also in Spanx (die wundervolle Riesen- wegzauber Wäsche, die man seit Bridget Jones gut kennt), zog eine lässige Hose an, Turnschuhe und einen tollen Poncho. Während des Treffens sah ich mir die anderen Mütter an und ich wette, wenigstens die Hälfte von ihnen, hatte dasselbe Problem wie ich. Dazu kommt noch, dass alle permanent ihre Kinder miteinander vergleichen. „Meine kann schon lesen“, „der ist aber wild“, „die Eltern von der sind aber seltsam“… und dann gibt es natürlich die Außenseiter. In unserem Fall eine streng moslemische Familie: „Na hauptsache, die lassen uns mit ihrer Ideologie in Ruhe“, „das arme Kind. Muss schon mit 6 ein Kopftuch tragen“. Meine Versuche zu erzählen, dass die moslemische Mutter eine tolle, herzliche und moderne Frau ist, wollte keiner hören.

Ich möchte das Problem einmal als „Frauenhass“ bezeichnen. Unsere Gesellschaft ist durchtränkt davon. Frauen hungern, machen Schönheitsops um einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Wir vergleichen uns unter der Dusche im Fitnessstudio, im Supermarkt oder abends in der Bar. Selbst wenn wir es uns nicht anmerken lassen, wagen wir einen kurzen Blick und erblassen vor Neid oder haben innerlichen Stolz weil wir besser aussehen. Trainierter, dünner, ohne Cellulite. Die Werbung gaukelt uns vor, wie die perfekte Frau zu sein hat, wie die perfekte Beziehung aussehen soll. Und das Fazit ist, dass wir uns nicht trauen unseren Freunden von unserer nicht- perfekten Welt zu erzählen. Eine Welt, in der wir unglücklich sind, Probleme haben. Eine Welt, in der auch Kummer und Konflikte herrschen. Oder, wir können das perfekte Glück einer anderen Frau nicht gönnen, können uns nicht vorstellen, dass es wirkllich so toll ist bei ihr. Liebe Frauen, bei den meisten ist es nicht immer toll. Jeder hat sein „Päckchen“ zu tragen. Wir sollten lieber demütig und dankbar sein und aufhören, uns zu vergleichen. Aufhören, den anderen Frauen etwas Schlechtes zu wünschen.

Eine andere Freundin von mir hat 3 Kinder. Sie studiert, sie arbeitet und ich muss ehrlich zugeben, dass ich innerlich neidisch war. Es wirkte alles perfekt bei ihr. Ich schäme mich, aber ich wartete darauf heraus zu finden, wo der Haken war. Es konnte doch, um alles in der Welt, nicht so perfekt sein! Schlussendlich, ging es ihr wirklich nicht gut. Und ich war unfassbar traurig. Ich litt mit ihr und schämte mich noch viel mehr für meine Gedanken.

Frauenhass heißt auf griechisch Misogynie (misein = hassen und gyne= Frau). Aristoteles war der Meinung, dass Frauen als eine natürliche Deformation von Männern zu sehen wären. Der Frauenhass färbt unsere Welt und damit auch unser Leben. Magersucht, Bulimie, Esssucht haben ihre Wurzeln in der Selbstanklage.

Interessanterweise (hier mein theologischer Einschub! Sollte mir gegönnt sein als Theologin.)stellte Jesus damals den Frauenhass auf den Kopf. Damals hätte kein Rabbi das Wort an eine Frau gerichtet, es war sogar verboten eine Frau zu berühren. Jesus war das egal. Er hatte sogar weibliche Nachfolger, die mit ihm durch das Land reisten.

Trotzdem: Frauen konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Männer. Schon unzählige Frauen haben ihre beste Freundin für einen Mann geopfert. Viele fühlen sich bedroht durch die Schönheit, Intelligenz und Anmut anderer Frauen. Wir taxieren als Frauen unbewusst alle anderen im Raum und urteilen rasch wo wir uns selbst in der Hierarchie der Attraktivität befinden. Doch wir werden diese subtile Frauenfeindlichkeit nicht überwinden, indem wir versuchen den Männern ähnlicher zu werden. Vielmehr sollten wir unsere Rolle feiern. Frau sein. Frauen lieben. Wie Stacy Eldredge in ihrem Buch „Werden, wie du mich siehst“, so schön sagt:

„Frauen sind nach dem Bilde Gottes geschaffen.(:::) Frauen sind geschätzt, wertvoll, einflussreich und werden gebraucht.“

Darauf sollten wir wirklich dringend anstoßen.

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Fotos von Juliane Weicker

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