Alltagsdinge, Nachdenkenswertes
Hinterlasse einen Kommentar

Sei mutig und freundlich

10869760_10205683159104535_7391563950744367884_o

Über unserer Stadt kreist ein Hubschrauber. Schon wieder. Meistens 1x pro Woche. Manchmal sogar 3x pro Woche. Dann wieder gar nicht. So genannte Wutbürger gehen auf die Straße und demonstrieren. Gegen Ausländer. Gegen das uneingeschränkte Asylrecht. Im Internet tobt Wut und Angst. Das Blatt hat sich scheinbar gewendet. Immer mehr deutsche Bürger wollen nicht so viele islamische Menschen in ihrem Umfeld haben. Sie haben Angst vor Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen. Sie haben Angst, dass ihre Rolle als Frau nicht mehr anerkannt wird und wir zurück fallen in ein anderes Jahrhundert.

Meine Eltern haben mir beigebracht, dass Angst niemals ein guter Faktor ist, um Entscheidungen zu treffen. Angst lähmt. Sie vernebelt den Blick und man kann nicht mehr klar sehen.

Haltlose Meinungen, Statistiken und auch „ich wurde mal vor dem Supermarkt angepöpelt“- Ausrufe gewinnen auf einmal an Bedeutung. Ja, auch ich hatte viele unangenehme Begegnungen mit südländischen Männern. Ich bin blond und groß. In meiner Jugendzeit wurde ich bedrängt, mir wurden Telefonnummern aufgedrückt, ich wurde als Nazi beschimpft weil ich einen älteren Mann nicht küssen wollte. Ich hatte jede Nacht Angst nicht nach Hause zu kommen und gewöhnte mir einen ganz starren und arroganten Blick an, der mich tatsächlich vorm Schlimmsten bewahrte. Meine Cousine hatte immer Pfefferspray mit und an das klammerten wir uns, wenn wir tief in der Nacht nach Hause laufen mussten. Letztens wurde ich wirklich extrem angeschimpft von vier ausländischen Männern. Sicher wussten diese nicht, dass man in einem Parkhaus nicht ganz langsam vorm Auto laufen kann und dass es vollkommen egal ist, dass sich eine sehr lange Autoschlange hinter ihnen bildet. Und ja, ich habe mich geärgert. Und ja, ich habe sehr laut gehupt. Ja, es ist ein seltsames Bild auf einmal so viele ausländische Menschen durch unsere Einkaufszentren laufen zu sehen. Gerade hier in Ostdeutschland.

Aber: ich weigere mich, Angst zu haben. Ich möchte helfen. Die Mehrheit dieser Menschen kommt aus Not. Sie kommen aus Kriegssituationen, sie sind gezeichnet von einer langen, furchtbaren Flucht, die sich wahrscheinlich niemand von uns vorstellen kann. Ich weigere mich, mir auszumalen was mal sein könnte, was passieren könnte und ob diese Menschen es wirklich schaffen, sich zu integrieren. Vielleicht liegt es eher an uns einen Schritt auf sie zuzugehen. In Liebe und Mitgefühl und dadurch ihnen zu zeigen, dass sie willkommen sind. Sie einzuladen in unsere Wohnungen und Häuser um ihnen zu zeigen wie man in Deutschland lebt. Sie teilhaben zu lassen an unseren Gedanken und unserem Leben und sie nicht auszugrenzen.

„Sei mutig und freundlich“, so sagt es die Mutter von Cinderella im neuen Disney- Film. „Mutig und freundlich sein, das bringt dich voran im Leben.“ Das ist nicht naiv. Das ist ganz einfach mutig. Den Ängsten, Befürchtungen und problematischen Asylbedingungen zum Trotz: Mutig und freundlich sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s