Alltagsdinge
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Selbstversuch- 1 Woche ohne Meckern

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Wie es dazu kam:
Es war im Sommer. Meine Kinder und ich wollen zu einem Arzttermin. Der Einfachheit halber mit dem Rad. Ich sollte vielleicht von Anfang an erwähnen, dass meine handwerklichen Fähigkeiten gleich Null sind. Ich bin eher die zarte Blondine mit lackierten Nägeln und kurzem Rock, die am Straßenrand steht und verzweifelt guckt. Jedenfalls stellen wir nach 10m fest, dass unsere Fahrräder einen platten Reifen haben. Ich renne in die Garage und suche die Luftpumpe. Finde etwas, dass so ähnlich aussieht. Versuche zu pumpen. Weiß nicht genau was ich wo ab und wie wieder draufschrauben muss. Jedenfalls wird es nichts, die Luft weicht immer wieder aus. Nach 5min bitte ich einen Handwerker zu Hilfe, der gerade die Terrasse unserer Nachbarn ausbessert. Bereitwillig hilft er mir und stellt fest: Das Ventil ist kaputt. Na toll. Ich bringe ein Kind schnell zu unseren netten Nachbarn, die passen gern auf und renne mit der Größeren zum Arzt. Zum Glück nur 10min zu Fuß.

Als wir wieder zurück sind, Mittag gegessen haben, soll die Kleine Mittagsschlaf machen. Ich will mich kurz zu ihr legen, da knackt es gewaltig: der Lattenrost ist unter mir zerbrochen! Falls sich dem Leser jetzt ein Bild von mir aufzeigt, dass mich als sehr füllig und sehr schwer darstellen lässt, dem sei gesagt: Ja, ich habe 2 Schwangerschaften hinter mir und ja, ich wiege mehr als vorher aber nein, ich bin nicht dick. Ich bin ganz normal. Und das Lattenrost bricht unter mir zusammen!!

Nachmittags versuche ich den Tag zu retten und gehe mit beiden Kindern an den Strand. Als wir ankommen ist so starker Wind, dass es uns den Sand in die Augen bläst. Es ist kalt, wir sitzen alle drei eingekuschelt in unsere Handtücher da und nach 20min versuchten Spielens und Käfern eine Wohnung bauend, rennen wir wieder zum Auto.

Abends streite ich mich noch mit meinem (eigentlich- heißgeliebten) Mann. Keine Ahnung worum es ging. Meistens weiß man das ja eh nicht mehr hinterher.

Es war ein katastrophaler Tag. Ensetzlich. Abends bin ich k.o. Ich möchte fluchen, heulen, schreien, schimpfen weil alles so schief gelaufen ist. In meiner Wut kann ich nur all das Negative sehen. Mir fällt nichts ein, was schön war. Bis ich abends meiner Freundin ein Foto schicke von meinen Kindern am See. Und sie sagt: „Oh, sieht das schön aus!“ Da halte ich inne. Was ist wenn ich mit meiner Schwarzseherei mir selbst im Weg stehe. Was, wenn ich durch mein Meckern mir so schöne Momente raube, die ich sonst genießen könnte?

Ich entschließe mich zu einer Challenge: 1 Woche ohne Meckern. Der 1. Tag war schon mal nicht besonders gut.

  1. Tag:

Mein Mann kommt nach Hause, schaut mich komisch an und fragt: „Und, wie geht es dir heute?“ War mir etwas peinlich.

Ansonsten war ein guter Tag. Trotz dessen dass ich meinen Tag mit zwei kranken Mädchen und beim Kinderarzt verbracht habe und nicht zu dem gekommen bin was ich eigentlich machen wollte. Ich habe mich zusammen gerissen und nichts Negatives geäußert.

  1. Tag:
    Ich habe heute nicht gemeckert. Oder es ist mir nicht aufgefallen. Es gab ein Fest im Kindergarten und hinterher sind wir auf eine Hochzeit gefahren. Ich habe nicht mal gemeckert, als wir feststellten, dass wir 250km fahren müssen um auf die Hochzeit zu kommen. Ich habe auch nicht gemeckert als wir ankamen und die Hochzeit DRAUßEN war und ich keine dicke Jacke dabei hatte. Ich habe versucht mein Frieren und meine Übermüdung zu ignorieren und wir hatten einen grandiosen Abend.
  1. Tag:
    War sehr, sehr müde. Den Rest vom Tag habe ich vor meinen Büchern verbracht und gelernt. Hatte mich kurz nicht im Griff als wir überlegten abends zu einem Konzert in den Park zu gehen und mein Mann mir die Entscheidung überlassen wollte. Ich war überfordert, wusste nicht was ich wollte und war kurz nicht so nett. Mein Mann hat es mit Humor genommen. Wahrscheinlich zählt er im Kopf die Tage bis ich meine Prüfungen hinter mich gebracht habe, damit ich wieder seine normale und nette Frau bin.

5. Tag

Ein erstaunlicher Erfolg. Glaube, ich habe heute nicht gemeckert!

  1. Tag:

Unsere Kinder schlafen sehr spät ein zurzeit. Es ist heiß und sie wollen unbedingt nebeneinander schlafen. Mein Mann und ich kriechen auf dem Zahnfleisch. Kein Wunder also, dass ich heute kurz (aber auch nur ganz kurz) mich etwas negativ über das Schlafverhalten meiner Kinder geäußert habe. Wer auch Kinder zu Hause hat die abends nicht einschlafen wollen wird mir diesen Ausrutscher gern verzeihen.

  1. Tag:

Mein eines Kind hat gebrochen in der Nacht. Ich habe es geschafft ohne Murren mehrfach aufzustehen, Haare zu halten, Mund abzuwischen, mit der Sagrotan- Flasche zu wedeln und am nächsten Morgen noch ganz gelassen meine Freundin zu empfangen die für 1 Jahr ins Ausland geht. Leider habe ich abends dann versagt als mein Mann mit tiefen Augenringen „eigentlich früh schlafen gehen wollte“, aber dann doch noch mit seinen Kumpels ein Bier trinken war um die Ecke, gelesen hat und dann noch versucht hat den Computer zu reparieren. Er war trotzdem genervt von meiner (ja eigentlich gut gemeinten) Schimpftirade.

Fazit: Eine erstaunliche Woche. Es war schon hilfreich, sich mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es ist erstaunlich wie oft ich schon bei kleinen Dingen in die Luft gehe und gleichzeitig, wie stark ich mich doch beherrschen kann und liebevoll mit meinen Mitmenschen umgehen kann. Positiv durchs Leben gehen macht nicht nur mein eigenes Leben, sondern auch das meiner Mitmenschen um einiges schöner. In der Bibel in Sprüche 27,15 steht „Ein tropfendes Dach, das am Regentag nervt, gleicht sehr einer zänkischen Frau.“ Ich möchte inständig mich weiter bemühen die Welt mit positiveren Augen zu sehen und kein „tropfendes Dach“ zu sein.

IMG_8513-2Fotos von Juliane Weicker

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