Alltagsdinge, Nachdenkenswertes
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Gerechtigkeit oder „heute ist Martinstag“

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Heute ist Martinstag. Oder Laternenfest. Der Tag an dem alle im Dunkeln mit Laternen herumlaufen. Also die Eltern mit ihren Kindern. Und die alten Laternenlieder werden heraus gekramt. Aber eigentlich ist es ein Gedenkfest. An einen Mann namens Sankt Martin. Warum wird er verehrt? Er hat geteilt. Er war ein römischer Soldat und hat mit einem Bettler seinen Mantel geteilt. Schließlich legte er sein Schwert ab und wurde Mönch. Er half den Armen, verschenkte sein Hab&Gut. Martin war so bescheiden, dass er gar kein Bischof werden wollte. Aber das Volk verehrte ihn aufgrund seiner Güte und machte ihn zum Bischof. Besonders schön erklärt wird die Geschichte hier beim WDR.

Beim Sankt Martinsfest teilen wir in der Kirche die so genannten „Martinshörnchen“ (schlussendlich einfache Milchhörnchen) und laufen anschließend mit Laternen bewaffnet (Und Ersatzglühstäben, falls die mal wieder den Geist aufgeben) hinter einem Pferd und Fackeln und einem verkleideten Sankt Martin einmal um den Block. Ein riesen Spaß für die Kinder. Aber für mich hat sich die Frage gestellt: Unser Martinshörnchen teilen wir gern, aber wie sieht das im realen Leben aus? Was teilen wir und mit wem? Es geht uns gut in Deutschland. Auch ich kann mich nicht beklagen. Ich kann nochmal studieren,  mein Mann kann uns gut versorgen und unterstützt mich, damit ich meine Lebensträume verwirklichen kann. Wir haben ein schönes zu Hause und eine tolle Familie. Ich komme aus einem guten Elternhaus und habe auch noch tolle Schwiegereltern bekommen. Ja, es gibt immer Menschen, denen es besser geht. Bei uns ist es auch nicht perfekt. Aber: Es gibt auch sehr viele Menschen, denen es noch viel schlechter geht.

Wisst ihr, wenn ich mal von dieser Erde weichen muss, dann möchte ich die Leben und Herzen von Menschen berührt haben. Ich möchte nicht nur für mich leben und egoistisch nur nach mir gucken. Ich habe nicht den Anspruch der zweite Sankt Martin zu werden, aber ich möchte den Menschen die Hilfe brauchen und mein Leben kreuzen helfen, dass dieser Tag einen kleinen Sonnenstrahl bekommt. Gestern bin ich also mit meinem Café Latte von Starbucks auf dem Weg zur Uni und laufe an einem Obdachlosen vorbei, den ich schon seit Wochen in der Stadt betteln sehe. Ich hab ja immer bisschen Angst, dass ich auf solche Banden reinfalle und denen noch mehr Geld gebe. Aber dieser eine Mann wirkt echt. Ich kaufe ihm einen Kaffee und eine Pizza. Bewaffnet mit noch 2x Kaffeesahne und 2x Zucker knie ich mich vor ihn und spreche ihn auf Englisch an. Er wirkt gepflegt oder zumindest noch nicht so verwahrlost. Scheinbar sitzt er noch nicht so lang auf der Straße. Ich gebe ihm den Kaffee und er guckt beschämt. In dem Moment denke ich: „Mist. Er ist gar nicht obdachlos. Er gehört zu den Abzockerbanden und schämt sich weil ich ihm Kaffee schenke den er gar nicht braucht.“ Doch dann reiche ich ihm die Pizza und in dem Moment flackern seine Augen auf. Ein Glücksstrahlen für 2 Sekunden, dann senkt er den Kopf wieder. Er bedankt sich mehrfach und guckt mir auch in die Augen als ich ihm einen guten Tag und Gottes Segen wünsche. „God bless you.“ Das wünsche ich ihm von Herzen.

Das war keine Glanzleistung von mir. Es sollte selbstverständlich sein, dass wir mit offenen Augen durch unser Leben gehen, dass wir teilen und helfen und die kleine Welt um uns herum ein bisschen gerechter machen.

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