Nachdenkenswertes
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Freundschaften. Freude und Schmerz.

Wie oft leben wir im Verborgenen? Wie viel Privates tragen wir nach außen, wie viel bleibt verborgen? Und mit wem teilen wir die Dinge, die wirklich intim sind? Ich habe mir in letzter Zeit Gedanken gemacht über Freundschaften. Wie verändern sich Freundschaften wenn wir älter werden? Welche Freundschaften haben Bestand, um welche kämpfen wir und welche lassen wir lieber ruhen?

Hinterm Rücken reden

Freundschaften unter Frauen sind ja wirklich kompliziert. Standardsatz meines Mannes: „Da kann ich dir keinen Rat geben. Frauen sind da einfach anders untereinander.“ Wir wollen unsere Freundschaften nicht verletzen, nicht verlieren und trauen uns deshalb oft nicht, Wahrheiten auszusprechen. Oftmals reden wir lieber hinter dem Rücken unserer Freunde über die Andere. Oft auch unter dem Deckmantel der Besorgtheit und des Mitgefühls. Wahrscheinlich empfinden wir das auch wirklich so. Aber wenn man sich gut reflektieren würde, würden wahrscheinlich ganz andere Gefühle ans Tageslicht kommen wie Neid, Missgunst, Unglück über das eigene Leben, sich besser fühlen wollen…

Unehrlichkeit

Um es mal ganz knallhart zu formulieren: Ich habe ja oft das Gefühl, dass Frauen nur darauf warten, dass er der anderen schlecht geht. Weil: Es kann ja nicht wirklich so gut sein bei ihr! Da muss doch ein Haken sein. Umso mehr freuen wir uns innerlich (nach außen sind wir natürlich bestürzt) wenn es dann wirklich etwas gibt, was schief läuft. á lá „Hab ich es doch gleich gewusst“. Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten Frauen beim Lesen meiner Zeilen den Kopf schütteln und es nicht glauben können, was ich hier schreibe. Aber ich glaube wirklich, dass ein bisschen davon in uns schlummert. In der einen Frau mehr, in der anderen weniger.  Mehr liebevolle Ehrlichkeit würde unseren Freundschaften gut tun. Sicherlich braucht es dazu auf der einen Seite Konfliktfähigkeit und auf der anderen Seite auch die Gabe die ehrlichen Worte auf nette Art & Weise zu verpacken. Denn Frauen unter sich brauchen Zustimmung, Bestätigung und Verständnis. Unsere engste Freundin kann uns schon mal sagen, dass sie etwas nicht gut findet, aber sie muss trotzdem da sein und mitziehen und uns unterstützen. So sind Frauen.

Wahre Freundschaft

Freundschaften sind im Wandel. Menschen verändern sich und damit auch ihre Freundschaften. Es gibt „Seelenfreundschaften“, dass sind Freundschaften die über die Zeit hinausgehen, die Konflikte aushalten und unterschiedliche Lebensentwicklungen. Das sind Freundschaften, die über Jahrzehnte Bestand haben. Davon gibt es aber höchstens 2-3 Menschen im Leben. Da ist Liebe, Annahme, tiefe Beziehung, Ehrlichkeit, Verletzung aufgrund der Enge der Bindung und Vergebung.

Und dann gibt es Lebensabschnittsfreunde, gute Freunschaften (die man unfassbar wertschätzt aber aufgrund von Zeit nicht so tief pflegen kann wie man es gern hätte) und gute Bekannte. Diese drei Beziehungen sind immer wieder im Wandel. Es tut weh wenn man Menschen aus diesen Beziehungsebenen verliert. Vor allem wenn sie wirklich gute Freunde sind. Und dann gibt es Menschen, die trifft man 2x im Jahr und man freut sich und hält losen Kontakt. Auch das ist ungemein wertvoll und ich schätze all diese Bekanntschaften wirklich sehr. Nicht zu vergessen: Menschen die man 1x im Jahr sieht und man sich sofort wieder seelenverwandt fühlt, die Entfernung der Freundschaft keinen Abbruch tut. Das ist ungemein selten.

 Freundschaft erhalten

Freundschaft birgt sehr viel Potential. Sie kann einen erblühen lassen und kann einen kaputt machen. Sie kann einen zum Strahlen und zum Weinen bringen. Freundschaft ist wertvoll wenn man „schwere Zeiten“ übersteht, kämpft und gewachsen wieder hervorgeht. Man kann sich wieder annähern und zusammen finden.

Es gibt jedoch auch Freundschaften, die sind zu negativ. Sie machen die eigene Seele kaputt. Dann ist es wichtig den Absprung zu schaffen und sich zu trennen. Frag dich: Wer macht mein Leben hell, wer ist ehrlich und liebevoll mit mir, wer interessiert sich für mich? Wer tut mir gut und wer gibt mir ehrliche Kritik? Wenn man 18 Jahre alt ist, hat man sehr, sehr viele Freunde… je älter man wird, desto weniger sind es. Wahrscheinlich aus Zeitgründen. Oder man wird wählerischer. Oder man möchte seine wenige freie Zeit nur mit den Menschen teilen, mit denen man sich entspannen kann.

Es ist ein Prozess. Manchmal kein leichter und schmerzhafter. Aber meistens ein fröhlicher.

 

 

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*diese Fotos sind keine Auflistung all unserer Freunde… andere wichtige Menschen fehlen auch auf diesen Fotos. Aber es sind wundervolle Glücksmomente mit wunderbaren Freunden, die ich nicht missen möchte.

 

Alle Fotos von J. Weicker und S. Rabe

1 Kommentar

  1. beatriceconfuss sagt

    Ich finde du hast alle Aspekte sehr treffend erläutert! Ich kenne alle Aspekte, aus jeder Warte. Noch als Teenager war ich auch schon mal neidisch. Ich war mit mir selbst nicht im reinen. Und manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass MIR etwas nicht gegönnt wurde. Es war wohl eine Wechselwirkung und ein Stück Weg zu mir/uns selbst.
    Mit der Zeit werden die Freundschaften ausgewählter. Es gibt ein paar enge Freunde, die mir sehr wichtig sind und in deren Leben ich nichts neide, sondern mich mit ihnen ehrlich freue oder den Kummer ehrlich teile. Und es gibt neue Bekanntschaften, die ich nicht so nah an mich heran lasse und Bekanntschaften, die sich zu wahren Freundschaften entwickeln können. Ich warte da immer gerne erstmal ab.
    Es gibt aber auch so Bekanntschaften, da weiß ich nicht so recht. Ich fühle mich nicht 100% wohl. Ich habe das Gefühl ich gebe etwas, was diese Leute nicht gebrauchen können und umgekehrt.

    Über die Freundschaft gibt es das ganze Leben lang etwas zu lernen. 🙂

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