Nachdenkenswertes
Kommentare 8

Sorry, Freunde. Wir haben keine Zeit mehr für euch!

Liebe Freunde,

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es tut mir leid. Ich schreibe euch, denn ich habe keine Zeit mehr für euch. Warum ich dann schreibe statt mit euch zu reden? Das ist ganz einfach: ich kann es von zu Hause tun. Ich muss mich nicht schminken, ich muss mich nicht anziehen und keinen überteuerten Babysitter bezahlen. Denn: Wir haben Kinder. Nicht nur eins, nein zwei. Zwei sind mehr als eins. Wer zwei oder mehr Kinder hat weiß, von welchem Unterschied ich spreche. Oh ja.

Ein Kind kann man schnell mal zu den Großeltern bringen. Ein Kind nimmt der Babysitter gern. Bei zwei Kindern ist es doppelter Aufwand, doppelt schlechtes Gewissen und doppelt viel Zeit die dafür drauf geht die Sachen der Kinder zusammen zu packen die sie bräuchten um zu den Großeltern gebracht zu werden. Daher handhaben wir das meist so: Es kommt nur einer von uns Eltern zu eurer Party. Nehmt uns das nicht übel. Wie soll es anders gehen?! Ein guter Babysitter kostet 10€ pro Stunde. (Dankbarerweise haben wir nette Freunde, die es auch für weniger machen. Viele Küsse an euch.) Sollen wir den bezahlen damit wir 3h (mehr können wir uns nicht leisten, denn wir haben wie schon erwähnt 2 Kinder) zu euch kommen können, um dabei immer aufs Handy zu schauen ob es den Kindern auch wirklich gut geht und wann wir wieder nach Hause müssen. Nein, es kommt nur einer. Nicht, weil wir nicht gern kommen würden, sondern weil wir uns den Babysitter und die Omaübernachtungen aufheben wollen für die wirklich wichtigen Anlässe wie: Jahrestag, Hochzeitstag und allgemein Zeit zu zweit.

Wir vermissen euch. Wir vermissen Abende mit euch ohne Uhr, ohne „aufs- Handy schauen“, spontane Treffen nach 20Uhr, Treffen die nicht auf dem Spielplatz enden müssen… und trotzdem wollen wir unsere Kinder nicht mehr hergeben. Unser Familienglück. Diese kostbare und erfüllende Zeit mit kleinen Kindern. Wir wollen Freundschaft mit euch leben, aber wir sind vollauf damit beschäftigt unsere Kinder von A nach B zu fahren, Hausaufgaben zu kontrollieren, gesunde Vollwertnahrung zu kochen und in Brotbüchsen zu stecken, unsere berufliche Zukunft abzusichern, unsere Hobbys zu pflegen und die wenige restliche Zeit in unsere Ehe zu investieren. Termine mit uns zu finden ist schwierig, aber gebt nicht auf. Wir brauchen euch, wir lieben es,Zeit mit euch zu verbringen.

Auch wenn Zeit verbringen für uns bedeutet, dass wir immer mit einem Auge nach unseren Kindern schauen müssen und nach 1,5 Stunde wieder aufbrechen müssen. Denn: Wir haben einen straffen Zeitplan. Die Kinder müssen gegen 18Uhr Abendbrot essen und gegen 19Uhr im Bett sein (zumindest hoffen Eltern das. In Wahrheit schlafen die Kinder 20.30Uhr immer noch nicht). Wir dürfen auf gar keinen Fall den Punkt der Müdigkeit unserer Kinder überschreiten, denn dann schlafen sie gar nicht mehr oder wir vor ihnen. Und dann… bekommen wir sie am nächsten Morgen nicht mehr aus dem Bett.

Wir reden sehr gern über unsere Kinder, denn wir sind stolz auf sie. Wir reden über den Inhalt der Windel, über ihre besonderen Fähigkeiten und ihre ersten Worte. Egal wie nervig ihr unsere Kinder finden mögt: Sagt uns das nicht! Wir platzen vor Stolz. Nur wir selbst dürfen „Nervigkeit“ erwähnen. Ihr müsst dann ganz entsetzt den Kopf schütteln und uns sagen, wie liebenswert ihr unsere Kinder findet. Ihr könnt euch trösten, unsere Kinder werden größer und die „Nervigkeit“ verschwindet. Dafür werden wir immer trauriger und wehmütiger je älter sie werden. Unsere kleinen Babys werden groß. Bitte versucht euch in uns hinein zu versetzen und tragt unsere Gefühlslagen mit.

Ihr seid unsere Freunde, ob mit oder ohne eigene Kinder. Uns verändert das Eltersein. Aber es verändert nicht unsere Gefühle für euch.

8 Kommentare

  1. Hallo, das ist ja richtig süß geschrieben und ich erinnere mich noch gut an diese Zeiten. Nun sind meine schon 9 und 14 und glaube mir – große Kinder, große Sorgen.
    LG Anja

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  2. Du sprichst mir so aus der Seele. Morgen sind wir um 5 zu (kinderlosen) Freunden zum Geburtstagsgrillen eingeladen. Meine Tochter hat von 5 bis 6 Chor und muss gefahren und geholt werden. Der Mini mit anderthalb muss eigentlich um kurz nach sechs ins Bett.
    Ich habe unseren Freunden eben noch gesagt, wie gerne ich sie habe und dass ich mich so über die Einladung gefreut habe aber dass es – nun ja- irgendwie kompliziert ist. Ich glaube ich schicke Ihnen mal deinen Post 😊
    Glg Eli

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  3. Oh ja das kommt mir bekannt vor. Bei uns läuft das genauso ab. Auch wir haben zwei Kinder. Entweder geht der eine oder der andere. Mit einen Kind war es so einfach und das hab ich erst realisiert als wir das zweite hatten.

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  4. Ein wunderbarer Post! Durch meine Schwangerschaft habe ich einige Bekannte verloren und entdeckt, wer wirklich wahre Freunde sind. Diese fahren mittlerweile sogar ab und an 400 Km, um mich UND meine Familie zu besuchen. Wir sehen uns nicht oft, aber wenn wir uns sehen, genießen wir die Zeit in vollen Zügen! Wir haben zwar „nur“ ein Kind, aber auch da ist es nicht immer leicht Zeit für den Partner oder Freunde zu finden. Ich wünsche dir viel Verständnis deiner Freunde und das sie euch erhalten bleiben, bis die Nervigkeit der kleinen vorbei ist.
    Liebe Grüße von The Gunzlinger Mum Marika

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  5. SingleinderGrossstadt sagt

    Etwas zum Nachdenken …

    Man sagt ja immer, Freunde sind immer für einen da und wenn nicht, dann waren es nicht die richtigen.

    Wenn ich das so lese, bin ich sehr dankbar für meine Freunde, die trotz Kinder, drei davon haben auch zwei Kinder, sich die Zeit für uns nehmen, zu Einladungen selten bis nie absagen und sich freuen mit mir die Zeit zu verbringen.

    Sie sich nicht über Kinder unterhalten wollen, sondern endlich über andere Themen reden wollen. Deren Gedanken nicht ständig bei den Kids kreisen, weil sie wissen, sie sind in Guten Händen und können die Kinderfreie Zeit genießen, sie lassen los und halten nicht krampfhaft an zu Hause fest.

    Ich rede, sorry, nicht persönlich, sondern ehrlich, bei den anderen von Mamazombies, Frauen die nur auf Familie und Kinder fixiert sind und nichts anderes mehr kennen. Bin selber Mutter, liebe meine Tochter, aber ich bin auch eine Frau und in ihr wohnt auch noch das unbeschwerte Mädchen, keine kommt zu kurz.

    Freunde sind nicht immer für einen da … weil das Band, wenn man es vernachlässigt, dünner wird und irgendwann verblasst. RIP Freundschaft.

    Dann waren es nicht die richtigen … vielleicht ist man selber kein richtiger Freund! Wenn man immer wieder absagt, wird man irgendwann nicht mehr gefragt. Auch Freunde haben besseres zu tun, als jemanden hinterherzulaufen. Freunde finden auch neue Freunde, die sich die Zeit nehmen.

    Traurig, denn ohne es zu merken, verliert man einen wichtigen Teil, leider merkt man das erst später, wenn die Kinder größer sind und einen nicht mehr brauchen. Leider ist es dann zu spät, denn die Freunde haben jetzt selber tausend andere Dinge, die wichtiger sind, wie Freunde, die sich die Zeit für einen nehmen, denn das ist das größte Geschenk, was man jemanden geben kann – seine wertvolle Zeit …

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  6. Genau so ist es, und es hält sooooo lange an. Ich wünsche Euch, dass Ihr wahre und tolle Freunde habt. Denn am Anfang (der Kommentare) schrieb schon Anja: Große Kinder…. „Eltern“ werden sich immer kümmern. Wenn man NICHT irgendwann wieder arbeiten geht, bekommt man vielleicht mal einen Nachmittag wieder, an dem man mit einer Freundin Kaffee trinken kann, vielleicht auch mal einen ganzer Sonntag…. Doch irgendetwas wird es immer sein, weshalb Du Dich kümmerst. Ich gehe seit Jahren wieder arbeiten, habe so also für „alles“ häusliche und familiäre nur wenige Stunden am Tag. Dadurch muss ich auch alles was die Kinder angeht in genau dieser Zeit komprimieren. Und schon steckt man immer noch in diesem Kreislauf. Meine sind 15 und (fast) 14 und wir sind immer noch mitten drin! Ich kenne das also gut, mit Freunden nur schriftlich zu kommunizieren… wahre Freunde verstehen das auch!

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  7. Gut, dass meine heute erwachsen sind. Früher scheint es viel einfacher gewesen zu sein. Bei uns im Ort gab es eine ganze Reihe Eltern mit Kindern. Wir haben miteinander gefeiert, gespielt, gelacht, waren füreinander da.
    Ich hatte Zeit für unsere Kinder und die Kinder unserer Freunde. Mittwochs hatte ich alle, Freitags hab ich meine abgegeben.
    Ich denke, diese Zeit gehörte zu der schönsten in meinem Leben.

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