Alltagsdinge
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Vom Genießen im Alltag

cof

 

So schell geht die Zeit vorbei. Ich liege im Bett bei meiner kleinen Maus. Es ist spät. Viel zu spät um noch nicht zu schlafen. Warum schläft sie nicht? Die Augen sind schon ganz klein und rot. Morgen wird sie kaum aus dem Bett kommen. Mein Kopf rast. Ich muss noch so viel machen, die Liste ist riesig. Angefangen bei den Schul- und Kindergartenbroten, die noch geschmiert werden wollen bis hin zum Artikel, der schon längst hätte eingereicht werden müssen. Ihr kleiner Arm schlingt sich um meinen Hals. Sie ist warm und riecht nach…ich weiß nicht genau… nach Baby eben. Süß und lieblich. Ich streichel ihren Kopf mit den kurzen, lockigen Haaren. Sie genießt es und murmelt „weiter“, wenn ich kurz anhalte. Sie ist warm und kuschelt sich noch näher an mich. Und ich bleibe liegen und genieße. Die Zeit ist so kurz. Die letzten Jahre sind verrannt und ich bin wehmütig und wehleidig. Mein kleines Baby. Wie konntest du so schnell groß werden? Mama und Papa lieben dich unendlich. Du bist unser Augenstern, unsere Prinzessin, unser Goldstück. Du bist ein tolles Mädchen. So klug, liebevoll, großherzig, mitfühlend und begeisterungsfähig.

Dieser Text entstand vor ca. 1,5 Jahren und seitdem ist so unendlich viel passiert und ja, die Zeit ist verrannt. Ich kann sie nicht aufhalten. Inzwischen riecht sie nicht mehr nach Baby, sondern ist groß, redet viel und vernünftig und will sich gar nicht mehr so oft kuscheln lassen. Was für ein Glück, dass hier nun noch ein Baby eingezogen ist. Und ihr könnt euch vorstellen, wie oft Frida ertragen muss, dass ich an ihr rieche und ihren Babygeruch einatme. (Wieso gibt es eigentlich niemanden, der diesen Geruch einfängt, so dass man sein ganzes Leben lang an einer kleinen Flasche schnüffeln kann, wenn man Lust auf Babyduft hat?)

In den letzten Tagen habe ich mich bewusst entschieden, mir meine Zeit wieder anders einzuteilen und den selbstgemachten Stress aus meinem Kopf zu verbannen. Es ist einfach nicht mehr so wie mit 2 Kindern und ich habe wieder ein Baby hier. Das bedeutet: Andere Abläufe, andere Strukturen und viele Abstriche. Ich versuche, mir die Tage so zu organisieren, dass ich die Zeit mit den Mädchen gut genießen kann und mir trotzdem Zeitfenster bleiben um die anderen Dinge zu machen, die noch anstehen. Ich versuche es hinzunehmen und anzunehmen, dass Frida auf meinem Arm schläft. Inzwischen lese ich dann einfach die halbe Stunde auf dem Kindle ein Buch, während sie dabei friedlich schnarcht. Gerade, während ich diese Zeilen tippe, schläft sie auf unserem Bett und Merlind sitzt neben mir am Schreibtisch und „schreibt“ in ihr Buch. Ich habe das Gefühl, langsam anzukommen in diesem neuen Leben mit 3 Mädchen. Sicherlich braucht es diese Wochen und Monate, damit man sich als Familie neu findet. Und dann geht die Kinderzeit so schnell vorbei. Es sind nicht viele Jahre, in denen die Kinder uns so sehr brauchen. In 1-2 Jahren wird Lele allein in die Straßenbahn steigen und wird höchstwahrscheinlich whatsapp mit ihren Freundinnen schreiben. Nicht mehr lange, und sie wird nicht mehr nach meiner Hand greifen, wenn wir in der Stadt unterwegs sind. Schon allein bei dem Gedanken werde ich ganz wehmütig.

Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als zu versuchen, die Momente einzufangen und sie in unsere Herzen zu brennen. Wir können es nicht aufhalten, aber genießen. Jede Zeit hat ihr Gutes. Das Baby, das lächelt, wenn du zu Tür hereinkommst. Das Kleinkind, das auf dich zurennt. Das Schulkind, das endlich lesen kann. Das Teenagermädchen, dass dich umarmt wenn du ihr eine Freude gemacht hast… Vielleicht schaffen wir es als gemeinsames Projekt, mehr inne zu halten, unsere Tage besser zu optimieren auf unsere jeweiligen Lebenssituationen, damit wir mehr genießen und dankbar sein können, für das was wir haben.

Ich an einem Abend, nach einem sehr langen Tag: „Puh. Ich glaube ich bin froh, wenn die Kinder mal groß sind und uns nur noch besuchen kommen.“

Der Mann: „Ich nicht. Ich liebe es so sehr, wenn ich nach Hause komme und hier so viel Trubel ist, mir alle Mädchen lachend entgegenspringen und auf mich einreden. Ich werde das furchtbar vermissen.“

cof

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